Common Data Environment – alle Lebenszyklusphasen mit großem Einsparpotenzial vernetzen

Vernetztes Arbeiten zwischen CDE und CAFM-Systemen, Quelle: TÜV SÜD ADVIMO

In den meisten Bauprojekten hat sich in den letzten 10-15 Jahren der Einsatz digitaler Projekträume durchgesetzt. Doch diese werden meist nur für die Dauer des Bauprojektes angemietet. Nach Baufertigstellung wird häufig die digitale Bestandsdokumentation mit Verzögerung an den späteren Betreiber übergeben. Dieser versucht nach der Inbetriebnahme die relevanten Dateien zu identifizieren und sich in planungsbauspezifischen Ablagestrukturen aus der Betriebssicht vergeblich zurecht zu finden. Ist dann endlich auf lokalen Laufwerksstrukturen eine geeignete Struktur aufgebaut, beginnen die Veränderungen in der Betriebsphase. Diese finden häufig wieder in getrennten Abteilungen mit getrennten Ablagesystematiken und -systemen statt. Die Folgen sind im Laufe der Zeit auseinanderlaufende und nicht mehr aktuelle Datenbestände. Flächen und technische Anlagen müssen für das Flächen- und Mietmanagement oder alle 3-5 Jahre bei neuen Reinigungs- oder Wartungsausschreibungen immer wieder erneut und kostenintensiv erfasst werden, um in der Folgeperioden wieder sukzessive auseinanderzulaufen.

Die Einführung eines integrierten Common Data Environments (CDE) kann in allen Lebenszyklusphasen die Beteiligten und deren Daten prozessorientiert miteinander vernetzen, um einen dauerhaft aktuellen und vollständigen Datenbestand sicherzustellen.  Dafür ist es aber erforderlich, das CDE nicht nach Baufertigstellung abzuschalten und die Daten im Gießkannenprinzip wieder verteilt abzulegen, sondern die Plattformumgebung auch während der Betriebsphase aufrecht zu erhalten. Auf diese Weise ist gesichert, dass sämtliche Veränderungen im Betrieb immer aktuell in dieser Umgebung geplant und dokumentiert werden. Mittlerweile lassen sich auch die betriebsrelevanten Modelldaten des BIM Modells durch eine Direktanbindung des CAFM Systems an die CDE Plattform synchron halten.

Einsatz des CDE Lebenszyklus übergreifend, Quelle: TÜV SÜD ADVIMO

Es gibt zahlreiche etablierte digitale Projekträume und auch Dokumentenmanagementsysteme, die sich mittlerweile als CDE bezeichnen. Ergänzend gibt es eigenprogrammierte Lösungen von Ingenieurbüros für die Zusammenführung einzelner Modelle. Doch die meisten dieser Lösungen decken nur Teilbereiche wie die Ablage und Kommunikation oder die Zusammenführung unterschiedlicher Modellformate mit reinen Lesemöglichkeiten ab.

Die vollwertigen CDE Systeme der großen Hersteller bieten neben der klassischen Dateiablage die Zusammenführung der Einzelmodelle und das zentrale Arbeiten in einem Modell mit Rechtevergabe sowie die Anbindung von weiterführenden Tools wie Systemen zur Kollisionsüberprüfung und der CAFM Systeme.

Aufgrund dieser Inhomogenität des Marktes und der ständigen Funktionserweiterung der Anbieter ist es wichtig, die benötigten Funktionsumfänge in einem CDE Lastenheft genau zu definieren, um mit diesem einen geeigneten Bieterkreis am Markt anzufragen und sich das beste System auszuwählen.

Diese Funktionsumfänge müssen sich aus den eigenen Prozessen der Zusammenarbeit der Beteiligten im Planen, Bauen und Betreiben sowie in Abhängigkeit der eigenen BIM Strategie ableiten.

Die einmalige strukturierte und zentrale Ablage ist relativ einfach aufzusetzen. Doch die Kunst besteht darin, die dort abgelegten Dateien organisatorisch laufend auf dem aktuellen Stand zu halten. Die Chance liegt nun in den neuen technischen Möglichkeiten des vernetzten Arbeitens des CDE. Auf diese Weise können unternehmensabhängig bis zu mehreren hunderttausend Euro an wiederkehrenden Bestandsdatenaktualisierungskosten eingespart werden.

Matthias Mosig, Prokurist Head of Digital Transition, TÜV SÜD ADVIMO, Auszug aus dem BIM Magazin 2019