BIM in der Elektrotechnik – warum?

Kein Bauvorhaben ist ohne die Versorgung mit elektrischer Energie realisierbar. Von der Stromversorgung der Computer und Server für die Projektsteuerung, über die Baustromversorgung für Baukräne, Betonmischer und Bohrmaschinen bis zur endgültigen Energieversorgung der Heizungs-, Lüftungs-, Klima- und Aufzugsanlagen, im fertiggestellten Gebäude. Ohne Elektrotechnik, bewegt sich nichts.

Aus diesem Grund ist kaum ein Gewerk einer so starken Entwicklung unterworfen wie die Elektrotechnik. Teilweise ändern sich die Anforderungen an die Energieversorgung eines Gebäudes im Projektverlauf mehrfach. Auch im späteren Betrieb sind Veränderungen in den meisten Fällen unumgänglich. Dies ist insbesondere den steigenden Ansprüchen an die IT-Infrastruktur und Energieeffizienz geschuldet. Um all diesen Anforderungen Rechnung zu tragen und ein Gebäude langfristig wirtschaftlich betreiben zu können, ist die Anwendung der BIM Prozesse empfehlenswert.

Unter Berücksichtigung des gewerkeübergreifenden Datenbestands, können bereits bei der Planung und Auslegung der Elektroinstallation, Kollisionen und Überschneidungen mit anderen Gewerken z. B. bei der Gestaltung von Kabel- und Versorgungstrassen vermieden und aktuelle sowie zukünftigen Anforderungen berücksichtigt werden. Mit Hilfe von standardisierten Datenbanken wird die Erstellung von Stücklisten, Ausführungsplänen und Ausschreibungsunterlagen wesentlich vereinfacht und transparent.

Auch beim späteren Bauablauf erleichtern die BIM Prozesse die Ausführung. Unnötige Doppelarbeiten lassen sich aufgrund der optimierten Terminpläne des Bauwerksmodells einfach vermeiden. Des Weiteren lassen sich dadurch die wenigen verfügbaren Fachkräfte optimal einsetzen. Eine baubegleitende Prüfung und Dokumentation der eingesetzten Komponenten bildet die Grundlage für die spätere mangelfreie Abnahme und Inbetriebnahme des Gebäudes.

Spätestens beim Betrieb und der Bewirtschaftung der Anlagen zeichnet sich BIM aus. Die umfassende Dokumentation der Elektroinstallation, einschließlich durchgeführter Erstprüfungen, Herstellervorgaben und Wartungshandbüchern, ermöglicht die Erstellung von bedarfsgerechten Prüf- und Wartungskonzepten. Der aktuelle Trend des Outsourcings des Gebäudebetreibers an Property/Facility Manager wird erst durch eine vollständige Inventarliste inkl. Anlagendokumentation aller technischen Einrichtungen möglich.

Aufgrund der sich ständig ändernden Anforderungen an die Ausrüstung eines Gebäudes, sowie die Weiterentwicklung in der Gebäudeautomation, sind fortlaufende Erweiterungen und Anpassungen der elektrotechnischen Anlagen zwingend erforderlich. Um diese umsetzen und dabei einen dauerhaften und nachhaltigen sicheren Betrieb gewährleisten zu können, ist die kontinuierliche Überprüfung und Aktualisierung der im Rahmen des BIM Prozesses erstellten Dokumentation unerlässlich.

Diese Notwendigkeit stellt gleichzeitig auch die größte Herausforderung von BIM in der Elektrotechnik dar. Es gilt, bei der wachsenden Anzahl komplexerer und hochtechnisierter Gebäude und der gleichzeitig abnehmenden Zahl von Fachkräften, die Anforderungen an die Planung, Ausführung und den Betrieb zu erfüllen.

Von René Brünn, MEBEDO Consulting GmbH

BDSH e. V. geprüfter Sachverständiger Elektrotechnik

Veröffentlichung aus dem BIM-Magazin der BIM World MUNICH